Im Zuge der Digitalisierung und der Industrie 4.0-„Revolution“ hat das Thema Industrie Fernwartung einen neuen Stellenwert bei Anlagenbetreibern erhalten. Während es vor einiger Zeit lediglich um den Zugriff auf einzelne Server und Desktops im Office-Bereich ging, ist es heutzutage der Zugriff auf Brandmeldeanlagen, Roboter, Kräne, Wasserturbinen und andere Produktions- und Automatisierungskomponenten.

Damit ist die Fernwartungsthematik auch in den sensibelsten Bereichen von Industrieunternehmen angekommen, nämlich mitten im Produktions- und Anlagennetz. Betreiber müssen sich also unweigerlich mit dem Thema Fernwartung auseinandersetzen und dabei gleichzeitig auf die besonderen Anforderungen (Safety und Verfügbarkeit) in Industrieanlagen achten.

Wie betreibt man sichere Fernwartung?

Sie sind als Betreiber industrieller Anlagen auf den störungsfreien Fernzugriff Ihrer Lieferanten und externen Dienstleister auf Ihre Automatisierungsnetze angewiesen. Denn Fernwartung spart enorm Zeit und Kosten, da die meisten Wartungstätigkeiten keine Vor-Ort-Wartung erfordern.

Hierauf haben Lieferanten, Maschinen- und Anlagenbauer in der Vergangenheit reagiert und angefangen, von vornherein Fernwartungslösungen zu verbauen und beim Verkauf mit auszuliefern. Als Resultat steht bei Ihnen als Betreiber im Moment wahrscheinlich mehr als eine Fernwartungslösung in Ihrem Netz.

„Sichere Fernwartung beginnt weit vor der Durchführung, sogar noch vor dem Einkauf der Lösung

Leider wird der Faktor IT-Sicherheit und die speziellen Anforderungen des industriellen Sektors oftmals von Lieferanten, Herstellern und Integratoren vernachlässigt. Sie als Betreiber stehen regelrecht allein auf weiter Flur und müssen sich die Frage stellen, wie Sie den Schutz Ihrer Anlagen gewährleisten.

Insbesondere in Zeiten von Suchmaschinen für schutzlose, öffentlich zugängliche Industriegeräte und Meldungen zu digitalen Angriffen auf unterschiedlichste Anlagen stellen Sie sich nun die Frage, wie Sie die Sicherheit in Ihrer Anlage aufrechterhalten können. Mitunter zwingen Sie auch gesetzliche Anforderungen wie das IT-Sicherheitsgesetz dazu, entsprechende Maßnahmen umzusetzen – ansonsten drohen Bußgelder.

„Ship it first“-Mentalität und Marketing-Gewirr

Leider trägt Industrie 4.0 noch einige Kinderkrankheiten mit sich, die sich darin äußern, dass Hersteller versuchen möglichst schnell möglichst viel Markt durch innovative Features abzustecken, dabei aber die Qualität und den Sicherheitsaspekt oftmals vernachlässigen. Lösungen sind schnell in der Maschine verbaut, frei nach dem Motto „Mit dem Internet verbunden und los geht’s!“, ganzheitliche Konzepte, die den sicheren Einsatz beim Betreiber betrachten, sucht man vergebens.

Hinzu kommt, dass das Thema Fernwartung oftmals nur auf die Auswahl der richtigen Lösung reduziert wird. Die damit zusammenhängenden Prozesse und Organisation bleiben außen vor. Das erachten wir als kritisch. Für den langfristig reibungslosen Betrieb einer Fernwartungslösung bedarf es insbesondere im Bereich von Produktions- und Automatisierungsanlagen mehr.

Aber wie können Sie sich den wachsenden digitalen Bedrohungen stellen und solide abgesicherte Fernwartung auf die wichtigsten Bestandteile Ihrer Anlagen betreiben, ohne dabei wichtige Betriebsfaktoren zu gefährden?

Kurzgesagt: Mit einer ganzheitlichen und sicherheitskritischen Betrachtung des Themas Fernwartung in Industrieanlagen.

Sichere Fernwartung – In 4 Phasen zum Erfolg

Um Ihnen als Anlagenbetreiber eine Richtung an die Hand zu geben, haben wir 4 Phasen ermittelt, die für den Erfolg Ihrer Fernwartungsvorgänge ausschlaggebend sind. Abhängig davon, in welcher Phase Sie sich derzeitig befinden, sind unterschiedliche Themen von Relevanz.

Stehen Sie ganz am Anfang des Themas Fernwartung, geht es vor allem um eine konkrete Anforderungsanalyse und die Auswahl einer Lösung. Ist das getan, muss diese mit einem Fernwartungskonzept sicher in die Bestandsinfrastruktur integriert werden. Damit kann im Anschluss durch die Etablierung notwendiger Prozesse und Organisationsstrukturen ein geordneter und reibungsloser Betrieb der Lösung geschaffen werden. Final betrachten wir, welche Punkte es während des Betriebs zu beachten gibt und welche Herausforderungen auftreten können.

Unsere Reihe führt Sie durch alle der 4 Phasen und gibt Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie diese erfolgreich anwenden und meistern können.

Bleiben Sie dran! Wir starten bereits in Kürze in die erste Phase – die Anforderungsanalyse und Auswahl einer Lösung.

PS:

Unsere Artikel basieren auf Normen und Standards (IEC 62443), sowie Empfehlungen von Institutionen aus dem Bereich der (industriellen) IT-Sicherheit (z.B. BSI, NIST). Unsere Beiträge sind herstellerunabhängig und aus der Praxis entstanden.